Auschwitz, the meaning of pain
The way that I want you to die
Slow death, immense decay
Showers that cleanse you of your life. – Slayer 1986)(1)
Was den Herren der US-Amerikanischen Thrash Combo „Slayer“ noch so „musikalisch“ über die Lippen kam, bedarf in der cineastischen Umsetzung der entsprechenden Bilder. Diese lieferte zuletzt und dies überaus kurzweilig, der Regisseur Steven Spielberg in seine Verfilmung von „Retter“ Oskar Schindler, in Schindlers List (2). Was den Film von anderen Filmen rund um die Vernichtung der europäischen Juden durch die Deutschen unterscheidet, war nicht zuletzt der immanente Wunsch das gute, dass bessere Deutschland während den Jahren 33 – 45 zu zeigen (3).
Einen anderen Ansatz verfolgt der deutsche Regisseur, um ihn mal so zu bestimmen, Uwe Boll. Boll, der zufällig nicht aus Cincinnati, sondern aus der Provinz Wermelskirchen stammt fiel in der Vergangenheit auch nicht durch Blockbuster, geschweige denn durch die Kunst des Filmens auf, was ihn aber zumindest wieder in dieser Hinsicht, in die Nähe von Steven Spielberg bringen dürfte. Seine Filme mussten auch ohne ein in die Jahre gekommenen 80´ziger Jahre Star auskommen, was ihn aber nicht in seinem letzten Film davon abhielt, seine Sympathie für INDIaner kund zu plustern.
Die Filmographie von Uwe Boll liest sich bislang größtenteils wie das Who is Who des schlechten Geschmacks und dies nicht nur weil er es schaffte Ralf Möller (4) vor die Linse zu stellen. Der studierte Regisseur (5) ist aber im Hinblick auf Kritiken mit Teflon beseelt, so dass scheinbar nicht ihn davon abringen kann, weitere Ego Shooter Spiele zu verfilmen.
Eine andere Seite von Boll ist jene, dies es vermag, auf grundschlechten Stoff noch eine weitere Himbeere darauf zu setzten. Wer, wenn nicht Boll hätte es vermocht den DDR Maschinenmenschen und Hobby-Boxer Henry „The Gentlemen“ Maske so dämlich aussehen zu lassen, wie er letztendlich auch ist? Auch das er sich mitunter Themen (Siegburg, Darfur)sucht, hinter denen er vielleicht den kommerziellen Erfolg vermuten mag, dort dann auch für Sequenzen der Unterhaltung jene Moment zelebriert, welchen den Zuschauer nicht ganz mit den Gedanken des verschwendeten Lebens zurücklässt, darf und kann man ihm nicht ganz absprechen. Uwe Boll ist gewiss ein Getriebener und so wie es schon Generationen von B-Movie Regisseuren und Produzenten vor ihm ging, wird eines Tages auch ihm sicherlich eine Fähigkeit unterstellt, die man zu Lebzeit nur aus Ignoranz und Häme nicht wahrnehmen wollte, nach dem Motto „Das Leben lebt nicht und Uwe Boll filmt nicht“.
Es bedarf schon einer besonderen Sicht auf die Dinge und jene Aura von Menschen, die glauben sie könnten etwas in der Form schaffen oder gar erschaffen was über den Langzeitwert einer japanischen Hauptstadt hinaus ginge. Der Drang heraus zu treten aus der Massen der üblich Verdächtigen, denjenigen, die im Schwall des Applauses der Hauptstadt der (Film)Bewegung ihre politische Seele offenbaren, jenen die einem leeren Stuhl mehr Beifall zollen, als einem noch unter den Lebenden weilenden Trash Regisseur. Die gleichen einfallslosen und eingefallen Mäuler der Unterhaltungs-und Kulturindustrie, die im Alter immer seltsamer werden und mitunter auch die Bombe lieben, selbst wenn sie in Teheran gebaut wird, die sich italienischen Französinnen an das Dekolleté werfen, statt mit den Stativ nach ihnen weil sie es nach der dritten Einstellung immer noch nicht verstanden haben, dass man nicht in die Linse starrt, wie auf der Bühne nach dem Publikum das sich von dümmlichen Popgeträller „verzaubern“ lässt wie der Odysseus von den Sirenen.
Umso mehr der Schmerz aus einer Umgebung zu stammen, welche gerade mal für die Imbissbude direkt am Busbahnhof bekannt ist, wenn überhaupt, weil es nicht mal Einwohner zahlenmäßig für den Anschluss an das Netz der Deutschen Bundesbahn heranreichte, immerhin, hier steht man noch der Bahn aufgeschlossen gegenüber, sind doch die Busfahrer nicht vom „Wahn“ der GDL (6)betroffen. Wermelskirchen, dass klingt schon stark nach religiösen Einfluss, nach Kirchen ohne Gläubige, nach Menschen die lieber Kirchen niederbrennen als zu besuchen und was uns dann wieder zu Slayer bringt, welche sicherlich auch einmal im Monat im örtlichen Autonomen Zentrum (7) ihre Runden drehen, vorerst im CD Player, haben sie doch noch nicht das Dorf und dem damit verbundenen prall gefüllten Konzertterminkalender des AZs entdeckt, aber vielleicht die Vielzahl von Kirchen , die nur darauf warten auf den Weg in Richtung „Hell Awaits“ (8) hinter sich gelassen zu werden.
Das man in dieser abscheulichen Umgebung, dessen bester Punkt der Busbahnhof und die Straßen darstellen, mit und auf denen man Wermelskirchen wieder verlassen kann auf junge Menschen dergestalt wirken, dass sie entweder zur Waffe, zum Aktenkoffer oder auch ganz im Dienste der vielen Kirchen zum Messdiener greifen, sollte nicht weiter verwundern, in dem Fall ist die Kamera und das Drehbuch noch ein Wink des Schicksals, was es in einem zurück lässt, darauf kommt es an, egal wie dumm einem seine Filme in der Vergangenheit erschienen sind.
Nein, nicht Arthur Miller, der wird wenn überhaupt schon mal gar nicht in Wermelskirchen noch in der Schule von Wermelskirchen gelesen wird, dafür sind die Leute mittlerweile zu alt und wie ihre Augen ihre Krankenversicherungen zu schlecht. Wenn man wie Uwe Boll aus Wermelskirchen stammt, wozu er nichts kann noch weniger für die Tatsache das sich seine Mutter nicht mal an Tag seiner Geburt bis Köln bewegen mochte das ist das ein Umstand des Schlechten, den es in welcher Form auch immer ein Leben lang zu umgehen gilt. Sein Weg ist der Film und so wie der Ursprung seiner DNA so verhält es sich zu seiner Kunst. Dies beweist einmal mehr der Film Auschwitz.
Bei dem Film handelt es sich nicht um jene Sorte Bildstreifen, die sich dadurch auszeichnet, dass sie über eine durchgehende Handlung, einen Helden oder gar um eine gedachte Aussage verfügt, als viel mehr den Versuch den zahlreichen Sozialarbeitern die eh schon überdrüssige Arbeit den „Kids von heute“ Opas Geschichten anzudrehen. Im Zeitalter wo Opfer und Jude einen anderen Singsang besitzen, nämlich den des Outsiders, jenen den es gilt noch vorerst verbal zu vernichten.
All zu Armselig wirken die Fragen, welche Boll an die Schüler eine vermeidlichen Hauptschule stellt, an die Protagonisten die optisch wirken als würden sie zumindest Ernst Jüngers In Stahlgewitter kennen, wenn man Rückschlüsse auf dass Metall in den Gesichtern der Einfältigkeit schließen möchte. Irgendwas war da mit den Juden und dem Mord und auch das sie irgendwie eine Religion haben, was aber nichts damit zu tun hat, dass sie verfolgt wurden. Am klügsten verhält sich noch jenes deutsche Mädel, dass den Kampf gegen ihren Haaransatz schon längst verloren hat und dessen Betriebskapital nur noch für das blondieren der Haarspitzen zu reichen scheint. Sie weiß gar nichts und das ist in diesem Fall nicht mal unsympathisch. Es reicht wenn sie weiß wie man verhütet bzw. korrekter Weise die Ware über den Scanner am späteren Arbeitsplatz zieht, Dies scheint von Boll auch so erwünscht, zu zeigen wie Doof doch die Anderen sind und wie schlau man aus dem Off erscheint, selbst wenn man nicht mal in der Lage ist, seinen Dialekt aufzugeben.
Nachdem uns Boll die Notwendigkeit seines Meisterwerkes versichert hat, in dem er nämlich die letzten Unbedarften präsentierte, sind wir auch schon mitten im Geschehen. Es gibt jene Bilder, die all satt bekannt sein dürften und jeden Überlebenden einmal mehr die Schamröte über das ausgeschlachtete Elend ins Gesicht treiben dürfte. Züge, Märsche, Selektionen. Der Ton ist schlecht ebenso wie das Licht und seine Akteure. Gut, es ist low Budget, aber wenn man den Drang verspürt sich über das Elend der Juden als erst zunehmender Regisseur zu Reproduzieren, dann sollte man zumindest ein wenig Herzlichkeit in das Detail des Grauens stecken.
Überzeugender wirken da schon die Vorgänge innerhalb der Gaskammer, auch wenn es nicht ganz einleuchten will, weshalb den Vergasten die Haare abgeschnitten werden, um so mehr es doch erhellt, weshalb Herr Boll seinen Fokus mit der Kamera auf das Herausbrechen der Zähne legt. Ähnlich wie das Auflegen des toten Jungen auf den Rost mit Kamerafahrt in den Ofen. Hier kennt man sich aus, im Splatter, Gore und Horror Milieu. Auch Boll überzeugt in seiner Rolle als Kontrolleur des Todes an der Tür der Kammer, weil er nichts macht als nur dastehen und zuschaut. Besser und überzeugender kann man den deutschen Volksgenossen nicht spielen.
Es kommt aber noch segensreicher. Scheinbar verfügt Wermelskirchen auch über ein Gymnasium, zumindest wirkt der zweite Block interviewter Schüler so. Ein ganz schlauer „Linker“ weiß sogar zwischen Rassen und Religion zu unterscheiden und schickt auch gleich noch hinten an eine heimlich Bewerbung für das Zentrum für Antisemitismusforschung, indem er nämlich heraus posaunt, dass die Juden ja heute die Palästinenser unterdrücken wie damals die Deutschen die Juden…
Auch die Botschaft die uns Herr Boll am Ende seines doch recht kurzen Machwerkes mit auf den Weg gibt, klingt wie der warme Wind des Aufstandes der Schicklichen. Wir müssen und vergessen und sollen überhaupt. Wenn wir vergessen sollten, dann sicher dass Boll nicht am Ende seine Schaffens ist, dass er weiterhin vermag mit seinen einfachen Reflexion und Mitteln für den einen oder anderen Lacher zu sorgen, dass es ihm ermöglicht wird seine Psychotherapie via Kino weiter fortzusetzen, dass er das bekommt, was man allen Deutschen wünscht, trotz allem, trotz und gerade wegen Auschwitz. Uwe Boll ist sicher einer der wenigen die auf dem Weg sind, den Fassbinder und Schlingensief schon hinter sich haben.














